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Raus aus dem Hamsterrad

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Eigentlich war es ein ganz anderer Grund, warum sich vier Familien samt Großmutter auf die Reise nach Heiligenhafen machten. Aber rückblickend muss ich sagen, war es mal wieder eine Mischung aus Herzensbildung und Entschleunigung für Kids und Eltern.

Die Vorschule hatte angefangen. Und das für die meisten der Kinder, die wir dabeihatten. Aber auch dem Schulkind aus Bayern tat diese Reise sehr sehr gut.

Heiligenhafen ist in den letzten zwei Jahren zu einem Top Spot an der Ostsee geworden. Eigentlich sollte man solche Geheimtipps für sich behalten. Aber weil wir mal die guten Dinge mit Euch teilen wollen, erzählen wir darüber.

Warum hat dieser Spot etwas mit Bildung zu tun?

Da waren die Landungsbrücken. Warum die so hießen, konnten wir nur vermuten, denn ein Schiff landetet dort nicht an. Ich bin eigentlich keine Stegläuferin, aber die Kinder rannten und rannten und dadurch fanden wir ganz am Ende einen tollen Wasserspielplatz. Dort kann man Meerwasser mittels eines riessigen Hamsterrades vom Grund des Bodens nach oben saugen und weiterverarbeiten. Die Kinder fanden es großartig und so landeten wir an – in Heiligenhafen.

Als ich da so gefühlt zwei Stunden lag und die Kinder in diesem Hamsterrad sah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es war mal wieder Zeit geworden.

Schon früh stecken wir mittlerweile unsere Kinder in solche Räder. Wir wollen und müssen natürlich zum Teil schnell wieder arbeiten gehen. Deshalb kommen die Kids in die Kitas und sind dann da – wenn es gut läuft von 9:00 – 15:00 Uhr und wenn es schlecht läuft von 8:00 – 17:00 Uhr – und das ab dem ersten Lebensjahr. Zumindest in Hamburg.

Wie gut es den Kindern tut, aus dieser täglichen Routine – aus diesem Hamsterrad – mal auszubrechen, das unterschätzt man. Unsere Zoë kam dieses Jahr in die Vorschule. Einen Tag, den ich zwar auf dem Zettel hatte, aber in seiner Tragweite für sie, gar nicht wahrgenommen hatte. Es war ihr so wichtig gewesen, als wäre es der erste Schultag gewesen. Sie war von einem auf den anderen Tag so groß geworden und ich hätte den Sprung fast verpasst. 

Das Rad drehte sich so vor mir und ich fragte mich, ob dieses Bild des Hamsterrades nur mir auffiel. Für mich war es auf jeden Fall Entschleunigung pur, diesem Treiben zuzusehen.

Warum Gruppenreisen, wie Gruppentherapie ist?

Für andere vielleicht zu verrückt, aber wir nächtigten in der Bretterbude mit 9 Erwachsenen und 8 Kindern in 3 Bullis und diversen Hotelzimmern. Für uns war es perfekt.
Wir waren 4 ganz unterschiedliche Familien mit 4 ganz unterschiedlichen Herausforderungen und einer Oma.

Es war die Familie mit 3 Kids, die immerzu Action brauchten. Diese bekamen sie hier auch immerzu. Und trotzdem konnte sich jeder einzelne auch seinen Vorlieben widmen und sich nach Interessenslage einklinken. Familien mit 3 Kindern fällt es sowieso schwer jedem gerecht zu werden, es fehlt einfach immer eine Hand. Die Gruppe fing immer wieder eines auf, während es mal die Ruhe und Zeit gab, sich um die anderen beiden zu kümmern.

Warum manchmal die richtigen 3,95€ Invest Bildung bringen!

Dann die Familie Patchwork mit Schulkind. Die Angel für 3,95€ brachte den Durchbruch. Wir konnten tatsächlich mit 4 Kindern am Hafen sitzen und Kaffee trinken, während die beiden Großen Krebse und Garnelenbabys fischten. Es war toll anzusehen, dass sich die komplette Situation zwischen allen Beteiligten total entspannte. Es war natürlich nicht ganz einfach. Patchwork Papa mit vorpupertierendem Schulkind, da krachte es schon mal!

Ein Krebs wurde gefangen. Dieses Erlebnis wurde sogar am Abend noch bildlich festgehalten und unser Schulkind war die Heldin des Tages. Ein Gefühl, welches sie auch nicht so oft hatte. Es ist wirklich nicht zu glauben, aber sie wird aufgrund ihrer Hautfarbe sehr oft in der Schule gemobbt. Ja, leider. Aber dieser Tag war ihr Tag. Ihre vordergründig schlechte Stimmung wandelte sich Stunde für Stunde um.

Am nächsten Tag war der Krebs allerdings tot, da er über Nacht im Eimer gefangen gehalten wurde. Unsere aller Unachtsamkeit führte dazu und wir liefen Gefahr, dass die Stimmung wieder kippte. Das Gegenteil war der Fall. Es war zwar schlimm, vorallem für den Krebs. Allerdings war es die perfekte Situation, um zu reflektieren was passieren kann, wenn man unachtsam und gedankenlos miteinander umgeht.

Naja und wir Rocketships eben, mit unseren beiden Wirbelwinden. Die kleine Leni träumte die ganze Nacht von „meiner…meiner“, weil sie ihr Puki immer wieder in andere Kinderhände geben musste. Und Zoë, die in ihrer Sicherheit und Coolness wieder alle überraschte. Aber auch für die beiden, war unteranderem der letzte Tag, als ich spontan entschied, einfach noch eine Nacht länger zu bleiben, die Ruhe nur mit Mama Entschleunigung pur.

Dem Hamsterrad entsteigen. Dinge einfach mal anders machen. Wochenende mit Freunden, die sich nicht kennen, um damit die Chance zu haben, Rollen neu zu definieren. Das war die Erkenntnis des Wochenendes!

Ein paar Rocketship Tipps:
Fahrt mit mehreren auf Campingplätze, Bretterbudenstellplätze oder Hotels.

Mehr sieht mehr:
Mehr Erwachsenenaugen sehen mehr. So findet sich auch der dreijährige, der mit dem Aufzug rauf und runter fährt auch leichter. Oder die 1,5jährigen, die grundsätzlich zum Spielzeugladen am Platz liefen. Entspannte Eltern bringen entspannte Kinder!

Wirkungskreis:
Wichtig ist den Wirkungskreis so klein wie möglich zu halten, damit sich die Kinder sicher fühlen. Den Wirkungskreis kann man Tag für Tag erweitern, aber die Kinder müssen sich die Wege merken können. Das hilft allen Beteiligten. Sicherheit bringt Entwicklungschancen.

Aus Schlimmen seinen Nutzen ziehen:
Der Krebs war tot. Alle waren traurig darüber. Aber wir konnten es nutzen, um über Unachtsamkeit und deren Folgen zu diskutieren. Dieses Erlebnis und dieses Bild werden die Kinder vermutlich länger damit verbinden, als irgendein Conny Buch oder Filmchen auf dem ipad. Erfahrungsorientiertes Lernen auf ganz hohem Niveau!