Entspannung

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Mutti on Tour#1 …bike, hike, relax…

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Meine Freundin hatte mit ihren 3 Kindern eine Mutter Kind Kur bei der Krankenkasse beantragt. Diese wurde sofort genehmigt. Hoffentlich sind da nicht nur Verrückte und totale Problemfälle, sagte sie mir im Vorfeld. Aber einfach mal rauskommen. Was Gutes für sich und ihre Kinder tun. Kraft tanken. Das war das Ziel.

Gute Idee dachte ich. Nur nicht mit den Kids, sondern einfach mal allein.

Beschlossen, geplant und losgefahren. Nach Südtirol, an einem Freitagnachmittag. Mit dem Zug und einer Freundin. Von Hamburg nach München in sechs Stunden.

Wir stiegen mit einem Klos im Hals in den Zug. Die Kinder alleine mit den Papas lassen. Fünf Tage! Soooo lange! Wir fühlten uns egoistisch und schlecht. Darauf köpften wir erstmal eine Flasche Prosecco, holten die Entspannungszeitschriften raus und versuchten gut drauf zu kommen.

Während ich so aus dem Fenster schaute, war meine Freundin die halbe Zugfahrt beschäftigt ihrem Mann Instruktionen für das Wochenende zu geben. Was er alles machen könnte: Reiterhof, Theater, Schwimmen gehen und ich weiß nicht was. Dagegen war ich ja schon fast musterhaft unterwegs. Ich hatte nur alle Koffer gepackt, Brote geschmiert und „die Meinen“ auf die Reise zu seinen Eltern geschickt.

Warum tun wir uns Muttis so schwer einfach mal loszulassen?
Kein schlechtes Gewissen haben, die Lieben allein zu lassen, um nur mal ein paar Tage in Ruhe zu frühstücken, sich in den Tag treiben zu lassen, Abendessen zu gehen und Dinge zu machen, ohne ständig im Aufpass- und Umsorgmodus angeschaltet zu sein. Das müssen wir üben. 

Nur für sich selbst sorgen!

Am nächsten Tag in Brixen: die Sonne schien, wir liehen uns E-Mountainbikes und fuhren auf die erste Alm. In der Sonne sitzend, mit Blick auf die Dolomiten, machten uns einfache Schlutzkrapfen glücklich. Die Bergkulisse, das tolle Essen, die netten Menschen um uns herum. Wir genossen den Tag in vollen Zügen und dachten doch darüber nach, wie toll der Wanderweg und der Spielplatz für unsere Kinder wäre. Hallooo, abschalten!

Mit der letzten Gondelfahrt fuhren wir wieder runter vom Berg. Der Tag neigte sich dem Ende und eigentlich wollten wir noch einen Sundowner trinken. Zwei nette Mädels in der Gondel, die ganz erstaunt waren, dass wir aus Hamburg kommen und ganz allein hier waren, empfohlen uns ein neues Hotel direkt um die Ecke. Gesagt, getan dahin und wir waren völlig aus dem Häuschen, als wir auf ein rießengroßes Stelzenhotel zufuhren. Mitten im Wald. Wir bestellten uns zwei Drinks auf der Terrasse und schauten in die Bäume.

Und gerade noch im Hier und Jetzt, flammte es wieder auf. Uns geht es so gut. Und unsere armen Männer? Was machen die wohl gerade? Gerade mal einen halben Tag ausgeblendet, hätten wir sie so gerne bei uns gehabt, um diesen schönen Moment zu teilen. Und unsere Kids? Sind sie glücklich? Der letzten Gedanke vor dem Einschlafen galt unseren Lieben und der Erste beim Aufwachen ebenfalls. Bilder, Videos und Nachrichten wurden wild hin und her geschickt. Es fiel uns schwer, nur bei uns zu sein. 

Am nächsten Morgen nochmal rauf auf`s Bike. E-bike Tour die zweite. Für meine Freundin war das ein echter Stretch. Ihr Mann hatte sich noch kaputt gelacht, als ich ihr den Vorschlag gemacht hatte, mit mir biken zu gehen. Vielleicht gerade deshalb strampelte sie was das Zeug hielt 2.000 Höhenmeter und 50km ab. Die Akkus waren sowas von leer in jeglicher Hinsicht, als wir abends die Dinger wieder abgaben. Aber was ein grandioser Tag!

Ich war so begeistert, dass sich mein schlechtes Gewissen auf jeden Fall legte. Bei meiner Freundin gor es noch weiter. Es war vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt zu fahren. Alles war gerade so stressig. Aber gibt es den richtigen Zeitpunkt für so eine Reise eigentlich? Man kann ja schon fast happy sein, wenn in der Firma nicht gerade ein mega wichtiges Meeting einberaumt wird, das Kind nicht krank ist (oder gar der Mann – ganz plötzlich) und man eine Freundin findet, mit der die Interessens- und Finanzlage weitestgehend die Gleiche ist.

Als wir am Abend aus dem Hotel auscheckten, checkte eine andere Familie ein. Ein pupertierendes Mädchen hängte sichtlich genervt am Tresen und raunte dem Vater zu…“Papaaaaa…Weeeelaaaan“… ich musste schmunzeln. Dem Vater blieb das nicht unbemerkt und bewaffnet mit dem Code sagte er … „endlich bin ich hier auch mal wichtig“. Ob unsere Mädchen mit 13 auch keinen Bock mehr haben, mit uns in den Urlaub zu fahren? Sollten wir nicht dann so eine Auszeit nehmen? Und nicht jetzt, wo sie noch so klein sind und so gerne mit uns unterwegs sind? Wieder ploppten solche seltsamen Fragen auf. Aber der Geist entspannte sich zunehmend, nahm dies zur Kenntnis und lies die Gedanken weiterziehen.

Zum Sundowner fuhren wir in unser zweites Hotel und schauten diesmal von ganz oben auf das Tal und die Berge. So weit oben, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und man nichts mehr ausser die Kuhglocken hört, wurden unsere Körper immer langsamer. Man trank ganz entspannt einen Tee, putzte sich tatsächlich einmal 3 Minuten lang die Zähne und lag einfach im Bett.

Wir gingen wandern, wurden vom Schnee überrascht und kehrten pitschnass wieder heim. Einfach in die Sauna, Buch lesen, ausruhen, wieder quatschen über dies und das, machten einen Nachmittagsschlaf und gingen Abendessen. Vielleicht war es diese völlige Stille dort oben am Berg. Oder einfach die Zeit, die ins Land zog, dass wir uns beruhigten. 

Wir gingen mit dem Flow.

Es war herrlich. Wir waren ganz bei uns und trotzdem immer bei unseren Familien. Was haben wir für ein Glück!

Wir machten Pläne. Einmal wegfahren mit unseren Kindern alleine. Oder auch mit unseren Ehemännern alleine. Wir tauschten Termine, Kinderübernachtungen und Daten aus und die Vorfreude unsere Ideen mit unseren Lieben zu teilen stieg.  Am Ende nahm meine Freundin einen Flug eher zurück und ich überredete meinen Mann eher zu mir zu kommen. 🙂 

Eine Reise zu machen und in Bewegung bleiben, sich selbst und seine Rolle hinterfragen, Ideen schmieden, Gedanken austauschen. Das Mindset einmal durchrütteln. Das ist das Leben. So bleibt man in Kontakt mit sich und damit mit den anderen. In diesem Sinne - Keep on Moving.
Stephanie Riecker
Mutti on Tour