Cappuccino

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Ein „aufgeschobener“ Cappuccino

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Mein Tag bzw. meine Nacht startete so semi-optimal. Meine große Tochter kam in unser Bett mit den Worten „mir ist sooo schlecht…“ und übergab sich im Anschluss. Damit war mein Freitag gelaufen. Ich behielt beide Kinder zu Hause. Leni war putzmunter und was auch immer dazu führte, dass es Zoë schlecht ging, war wie wegeflogen und so stellten sie mir um 9:00 Uhr bereits die Bude auf den Kopf.

Kurzerhand eingepackt und los Richtung Markt.

Dort verschlechterte sich die Stimmung allerdings wieder und beide Kinder quengelten was das Zeug hielt. Schlecht bis gar nicht geschlafen hatte ich aber zumindest noch einen Kaffee verdient. Ich steuerte einen Tisch an und wollte mir an der Theke gerade eine Tasse holen, plärrte Leni los und war überhaupt nicht damit einverstanden. Sie wollte mit! 
Keine Kraft in den Armen, ganz zu schweigen von meinem Rücken, war ich mental schon fast dabei abzubrechen, als ein älterer Herr mit Frau am Nachbartisch sagte:

"Warten Sie, ich hole ihren Kaffee!"

Mein erster Impuls war, das Angebot gar nicht anzunehmen. Ich war so perplex, dass ich ihn fragte: „WIRKLICH?“ Alle Gäste drehten sich um und beobachteten die Szene.

In meinem Kopf sprudelten die Argumente über….ich sehnte mich nach diesem Kaffee…ich war müde…ich brauchte Kraft für den Rest des Tages…mein Rücken tat weh… und ob ich mit Leni im Arm die Tasse heile wieder zurück an den Tisch gebracht hätte, war fraglich.
Also gab ich ihm 2,50€, was wahrscheinlich viel zu wenig war und er holte mir tatsächlich den Cappuccino. Ich freute mich dermaßen darüber, dass das auch Zoë nicht verborgen blieb. 

Wir unterhielten uns darüber, wie einfach es doch eigentlich ist, Menschen eine Freude zu machen oder einfach kurz zu helfen. Aus seiner eigenen Komfortzone mal kurz auszusteigen und etwas für jemand anderen zu machen. Und ganz ehrlich, wie selten passiert mir das? Und wie oft mache ich es selbst, obwohl man eigentlich mindestens 1x am Tag eine Gelegenheit dazu hätte.

Als wir wieder zu Hause vor der riesigen Eingangstreppe vor dem Haus standen, über die ich jeden Tag mehrmals den Kinderwagen hoch und wieder runter wuchten musste, kam ein Mann hinzu, was wirklich auch so gut wie nie passierte, und fragte, ob er mir helfen soll. Und Zoë sagte: „Schau Mama, jetzt hat dir schon wieder jemand geholfen. Jetzt kannst du dich wieder freuen!“

Und das ist für mich HERZENSBILDUNG. Kinder beobachten so genau und sie lernen am allermeisten dadurch. Es ist Bildung, die nichts kostet und so viel wert ist!

In diesem Zusammenhang wollen wir auf eine Initiative hinweisen, die sich #suspendedcoffeesgermany nennt. Dort kann man in ausgewählten Läden einen aufgeschobenen Kaffee für jemanden bezahlen, der es sich nicht leisten kann....probiert es mal aus!​
Stephanie Riecker
Stephanie Riecker
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