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Das Leben schickt Entschleunigung

2018-08-25-daslebenschicktentschleunigung

Ich würde sagen, dass wir schon im Paradies angekommen waren.
Allerdings hatten wir bis dahin noch eine Lektion der Entschleunigung zu lernen. Der Himmel entleerte sich über uns, als Robin unbedingt in einem Mulchebeet parken wollte, weil wir dort „gerader stehen“!

Randbemerkung: Die Frau wollte, dass Mann das lieber nicht macht. Aber was interessiert Mann schon was Frau sagt? J

Und so kam es wie es kommen musste – Mann klatschnass, Frau genervt, Mann genervt, weil Frau genervt, Kind 1 fand es ca. 10min total aufregend, Kind 2 war es wurscht – und so steckten wir fest. Mit unserem Wohnmobil und mit unseren Gefühlen. Etliche Stunden später, endlich war was los in Aeugst am Albis – waren einige Nachbarn, plus der Dorfbauer damit beschäftigt, das Wohnmobil der Deutschen wieder aus dem Beet zu ziehen. Das Wohnmobil war dann raus, aber die Gefühle boardeten noch über. „Nimm es halt mal mit Humor!“; „Egal was ich sage, es interessiert dich einfach nicht.“, „Aber ich habe es doch nicht mit Absicht gemacht!“, „Na, davon gehe ich mal aus, dass du mit der Aktion nicht vor den Kindern und unseren Freunden flüchten wolltest…!“ 

Es hatte „RUMMS“ gemacht. Und das, obwohl wir uns doch so gefreut hatten auf diese Tour. Viel Zeit mit viel Abenteuer.

Jetzt wo wir hier sitzen, am Fusse der Eiger Nordwand, kommt es mir so vor, als hätte uns das Leben genau diese Situation geschickt. Eigentlich wollten wir nach Lausanne fahren, schon am dritten Tag. Und dann sind wir einfach abgebogen in den Grindelwald, weil uns die Viertausender so magisch angezogen haben.

Und da war die zweite Frage:
„Führt Entschleunigung zu maximaler Entspannung? Und was ist überhaupt maximale Entspannung? War das unser Ziel in der Elternzeit?“

Wir verbummelten den ersten Nachmittag mit Pizza am Spielplatz, beobachteten die Inder, Araber und Chinesen beim Bus ein- und aussteigen, und entschieden einfach, wir bleiben hier heute Nacht.

So saßen wir da vor unserem Wohnmobil und die Abendsonne tauchte den Gletscher in orange Töne. Es war unfassbar schön, unfassbar entspannt und wir hatten uns bis auf die Ausbrüche einer dreijährigen auch wieder lieb.

Am nächsten Morgen entschieden wir; wir bleiben einfach noch. Wir taumelten durch den Tag. Jeder machte so sein Ding. Und zwischendurch besichtigten wir auch noch die Gletscherschlucht. (Tipp: Gletscherschluchten mit 3-jährigen macht keinen Sinn!)

Um unseren sportlichen Aktivitäten nachkommen zu können, mussten wir uns immer aufteilen. Die 190 Tacken für eine Bahnfahrt auf das Jungfrauenjoch war uns einfach zu viel.

Und am Ende auch zu kompliziert, wegen den Kindern und der Höhe und überhaupt.  Deshalb wählten wir die kleinere Variante und fuhren mit 100 Indern auf die Kleine Scheidegg. Was im übrigen völlig ausreichend war. Dort hat man einen tollen Blick auf die 4 Tausender, Zoë war glücklich, weil Schnee angefasst und Bahn gefahren und Papa konnte hoch radeln. Naja, fast. Es war dann doch zu hoch und zu weit.

Alles in allem ist Grindelwald definitiv eine Reise wert.

Reisetipp 2 für Strecke 2:

Strecke 2: Ermatingen – Aeugst am Albis (94km) – Grindelwald (123km) Übernachtung: in Aeugst/ privat; in Grindelwald/ Camping Grindeldorf (ca.35 Euro) Strecke 3: Grindelwald – Thun (49km) Übernachtung: Thun (am Parkplatz des Kunstmuseum)

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