Elternzeit

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„Das passt nie rein!“

2018-08-25-daspasstnierein

Hallo Elternzeit. Was braucht man wirklich?

Endlich war der Tag X gekommen. Start der Elternzeit. Es ging los von Hamburg an die Côte dAzur. Im letzten Augenblick konnten wir die Wohnung (ja, wir hatten eine Genehmigung von der Stadt und vom Vermieter) über Airbnb an einen Arzt von den Bahamas vermieten. Das hob das Reisebudget erheblich und verschaffte noch jede Menge Arbeit vor der Abreise. Die Wohnung musste schließlich lupenrein übergeben werden.

Da wir das Wohnmobil (leider) nicht in Hamburg gemietet hatten, sondern wegen eines super Angebots eines Privatvermieters über ebay (70 Euro/ Tag inkl. Km) in Stuttgart, fuhr das Gepäck schon Tage vorher mit Papa dorthin. Bis unters Dach war es voll und wir standen ziemlich ratlos vor dem Wohnmobil, als es den Anschein nahm, dass wir das alles niemals unterbringen würden.
Am Ende ging es irgendwie, aber an Station 1 ging eine volle Koffertasche mit Opa wieder zurück nach Hause.

Tipp1:Kleidung in Reisverschlusstaschen von Ikea packen.
Tipp 2:Die Hälfte von dem mitnehmen, was man denkt mitnehmen zu müssen.

 

"Deshalb geben wir Euch hier gleich zwei hilfreiche Tipps: 1. Kleidung in Reisverschlusstaschen von Ikea packen und 2. Nur die Hälfte von dem mitnehmen, was man denkt, mitnehmen zu müssen!"
Stephanie Riecker

"Aber ich will nicht bei den Schweinen schlafen!"

Mit einem chaotisch gepackten Wohnmobil ging es los zum ersten Ziel. 200km hatten wir uns noch vorgenommen, um am Bodensee den Zelglihof in der Schweiz anzusteuern. Nachdem Zoë schon am Morgen gesagt hatte, dass sie das mit dem Wohnmobil doof findet und lieber ins Hotel mit Schwimmbad will, war sie noch weniger davon begeistert, als wir ihr voller Vorfreude eröffneten, dass wir auf einem Bauernhof übernachten wollen. Da kam dann nur leicht genervt:

„Oh manno, ich will aber nicht bei den Schweinen schlafen.“

 

Vom Stressmodus auf maximale Entspannung.

Mit letzter Kraft aller Beteiligten kamen wir bei den Schweinen an. Parkten und fielen um in den ersten Schlaf in unserem zuhause auf Zeit. Und auch Zoë fand es plötzlich nicht so schlecht in ihrer Höhle im Fahrerdach.

Am nächsten Morgen lachte uns die Sonne und der Bodensee entgegen. Der Bauer vom Zelglihof hatte in perfekter Lage ein ziemlich unperfektes Idyll geschaffen. Zimmer gibt es dort genauso, wie Stellplätze mit Blick. Die Einfachheit führte dazu, dass wir aus dem Stressmodus sofort auf maximale Erholung schalten konnten.

Abschalten ist gar nicht einfach.

Trotzdem juckte es mich in den Fingern alles besser und schöner zu machen – für den 70sten Geburtstag, der dort gefeiert werden sollte. Überall sah ich Potenzial für Verbesserung. Aber was war besser und schöner und auf was kam es denn überhaupt an? Wie ich da so saß und die eintrudelnden Menschen beobachtete fiel mir auf, dass die Kinder minutenlang herzlich umarmt wurden, dass der Grillmeister mit seinem T-shirt Spruch „Hetz mich nicht“ eine Ruhe ausstrahlte, die sich auf alle übertrug. Die Fragen des Lebens, unseres Lebens sprudelten in meinem Kopf nur so über.

Es war ein schöner Start in unsere Zeit, die wir intensiv mit unseren Kindern verbringen wollten. Einfach treiben lassen. Auf eine Strecke, die nur ganz grob in unserem Kopf war. In Europa, ganz bewusst.

Unser Reisetipp für Station 1

Strecke: Stuttgart – Ermatingen / ca. 200km Übernachtung: Zelglihof am Bodensee – Schweiz, www.zelglihof.com Kosten ÜN: ca. 30 Euro/ Nacht Man kann in Zimmern, im Heu oder auf der Wiese übernachten

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Das Leben schickt Entschleunigung

2018-08-25-daslebenschicktentschleunigung

Ich würde sagen, dass wir schon im Paradies angekommen waren.
Allerdings hatten wir bis dahin noch eine Lektion der Entschleunigung zu lernen. Der Himmel entleerte sich über uns, als Robin unbedingt in einem Mulchebeet parken wollte, weil wir dort „gerader stehen“!

Randbemerkung: Die Frau wollte, dass Mann das lieber nicht macht. Aber was interessiert Mann schon was Frau sagt? J

Und so kam es wie es kommen musste – Mann klatschnass, Frau genervt, Mann genervt, weil Frau genervt, Kind 1 fand es ca. 10min total aufregend, Kind 2 war es wurscht – und so steckten wir fest. Mit unserem Wohnmobil und mit unseren Gefühlen. Etliche Stunden später, endlich war was los in Aeugst am Albis – waren einige Nachbarn, plus der Dorfbauer damit beschäftigt, das Wohnmobil der Deutschen wieder aus dem Beet zu ziehen. Das Wohnmobil war dann raus, aber die Gefühle boardeten noch über. „Nimm es halt mal mit Humor!“; „Egal was ich sage, es interessiert dich einfach nicht.“, „Aber ich habe es doch nicht mit Absicht gemacht!“, „Na, davon gehe ich mal aus, dass du mit der Aktion nicht vor den Kindern und unseren Freunden flüchten wolltest…!“ 

Es hatte „RUMMS“ gemacht. Und das, obwohl wir uns doch so gefreut hatten auf diese Tour. Viel Zeit mit viel Abenteuer.

Jetzt wo wir hier sitzen, am Fusse der Eiger Nordwand, kommt es mir so vor, als hätte uns das Leben genau diese Situation geschickt. Eigentlich wollten wir nach Lausanne fahren, schon am dritten Tag. Und dann sind wir einfach abgebogen in den Grindelwald, weil uns die Viertausender so magisch angezogen haben.

Und da war die zweite Frage:
„Führt Entschleunigung zu maximaler Entspannung? Und was ist überhaupt maximale Entspannung? War das unser Ziel in der Elternzeit?“

Wir verbummelten den ersten Nachmittag mit Pizza am Spielplatz, beobachteten die Inder, Araber und Chinesen beim Bus ein- und aussteigen, und entschieden einfach, wir bleiben hier heute Nacht.

So saßen wir da vor unserem Wohnmobil und die Abendsonne tauchte den Gletscher in orange Töne. Es war unfassbar schön, unfassbar entspannt und wir hatten uns bis auf die Ausbrüche einer dreijährigen auch wieder lieb.

Am nächsten Morgen entschieden wir; wir bleiben einfach noch. Wir taumelten durch den Tag. Jeder machte so sein Ding. Und zwischendurch besichtigten wir auch noch die Gletscherschlucht. (Tipp: Gletscherschluchten mit 3-jährigen macht keinen Sinn!)

Um unseren sportlichen Aktivitäten nachkommen zu können, mussten wir uns immer aufteilen. Die 190 Tacken für eine Bahnfahrt auf das Jungfrauenjoch war uns einfach zu viel.

Und am Ende auch zu kompliziert, wegen den Kindern und der Höhe und überhaupt.  Deshalb wählten wir die kleinere Variante und fuhren mit 100 Indern auf die Kleine Scheidegg. Was im übrigen völlig ausreichend war. Dort hat man einen tollen Blick auf die 4 Tausender, Zoë war glücklich, weil Schnee angefasst und Bahn gefahren und Papa konnte hoch radeln. Naja, fast. Es war dann doch zu hoch und zu weit.

Alles in allem ist Grindelwald definitiv eine Reise wert.

Reisetipp 2 für Strecke 2:

Strecke 2: Ermatingen – Aeugst am Albis (94km) – Grindelwald (123km) Übernachtung: in Aeugst/ privat; in Grindelwald/ Camping Grindeldorf (ca.35 Euro) Strecke 3: Grindelwald – Thun (49km) Übernachtung: Thun (am Parkplatz des Kunstmuseum)