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AllgemeinReisen mit KidsSüddeuschland

Warum Skifahren die Resilienz von Kindern stärkt!

2018-08-25-skifahrenmitkindern

Warum es Sinn macht und es manchmal einen Lehrer braucht.

Die Rocketships in Hochsölden.

Für den bayrischen Leser ist dieser Beitrag wahrscheinlich ein „Witz“! Denn dort gehört es schon fast zum Nachmittagsprogramm im Kindergarten, die Kids auf die Skier zu stellen.

Die Vorbehalte im Norden Deutschlands gegenüber Skiferien sind aber groß: teuer, kalt, zu aufwändig und die lange Anfahrt schreckt ab. Außerdem ist es bei den meisten Eltern auch nicht so in Mark und Bein, wie bei uns Münchnern. Wir sitzen ab Dezember vor 3Sat und schauen das #Alpenpanorama.

Doch hier wollen wir alle Nordlichter motivieren, sich doch auf die Reise zu machen. Es wäre nämlich eine so große Chance für die Entwicklung der Kinder. Zur Förderung von ihrer Resilienzfähigkeit, für die Gehirnzellen, durch die frische Luft und noch so vieles vieles mehr.

Den Hamburgern, denen wir gut zugesprochen haben, waren begeistert und sind vom Bergfieber gepackt. 

Warum es aber manchmal einen Lehrer braucht.

Wir sind ehrlich: wir sind gute Skifahrer. Und eigentlich dachten wir, wir bringen unseren Kindern das Skifahren selber bei. Spart Geld und warum sollten wir das nicht hinbekommen? Doch auch wir wurden eines Besseren belehrt: schon im letzten Jahr bei der Skigewöhnung war eigentlich klar, das wird schwierig.

Gegreine. Geheule. Gemecker. Woran das lag? Am Kind? Ganz offensichtlich nicht, denn dann kam Charlotte. Charlotte war cool und entspannt – alles Kompetenzen, die wir uns eigentlich auch zuschrieben – aber Charlotte hatte die notwendige emotionale Distanz und keine Erwartungshaltung. Dafür immer eine Tüte Gummibärchen.

Und obwohl Charlotte bei dem ein oder anderen Sturz der Kinder ganz salopp meinte: „Kommt ihr klar oder muss ich den Hubschrauber holen?“ heulte und meckerte keiner. Irgendwie sortierten die beiden verkeilten Kinder ihre Skier und standen nach einer Weile wieder. Ich war beeindruckt und aus Sicht meines Kindes war Charlotte einfach nur TOLL!

Wir beobachteten das Phänomen noch weitere Male. Charlotte hatte die Gabe, den Kindern Dinge zuzutrauen bzw. zuzumuten, die wir als Eltern entweder unseren Kindern leichter machen wollten oder nicht für möglich hielten.

Ein Beispiel: wir Mütter fuhren mit den Kids am Ende eines Skitages einfach mal los. Einigermaßen hektisch wurden wir schon bei der ersten Abfahrt, als unsere 4 und 6 Jahre alten Mädchen den BMW x-drive Slalom-Kurs ansteuerten. Wir versuchten das irgendwie noch zu verhindern. Aber die beiden Mädchen dachten gar nicht daran, irgendwas nicht zu machen. Schließlich hatte Charlotte das auch immer erlaubt. Und was passierte? Nichts. Total mutig fuhren die Kids mal mehr, mal weniger in der Pizzafussstellung den Kurs hinunter und wir Mütter leicht erstaunt hinterher. Siehste!

"Genau deshalb braucht es ab und an einen externen Trainer, um Kompetenzen wie Mut und Selbstvertrauen der Kinder zu entwickeln!"
Stephanie Riecker

Und unsere kleine Leni? Die wurde in der Kraxe von A nach B transportiert. Der nette Sesselliftfahrer nahm uns sogar mit, damit wir auf die Hütte kamen. 

Auf was gilt es zu achten?

– Sollte der Kurs zu voll sein, dann lieber mal zwischendurch einen Privatlehrer buchen. 
– Wenn das Budget dafür nicht ausreicht, lieber einen befreundeten Skifahrer bitten, die ein oder andere Stunde zu investieren.
– Vom Anfänger Gelände unbedingt weggehen und nicht am Rand stehen bleiben. Die eigenen Ängste springen förmlich über den Zaun.
– Zu Beginn reichen 2 Stunden. In der Regel gibt es dann Mittagspause und dann nochmal 2 Stunden. Auch wenn es super läuft. Schluss danach!! Wenn die Kraft nachlässt, dann kommen die Unfälle.
keinen Druck aufbauen. Lieber mal einen Tag pausieren oder in den Skikindergarten geben. 

Wo wohnten wir?

Wir wohnten im Hotel Alpenfriedein Hochsölden.
Hochsölden, weil nicht so trubelig wie Sölden, aber das Skigebiet auch nach einer Woche nicht langweilig wird. Eigentlich ist es für Nicht-Skifahrer suboptimal, weil man von dort aus wenig Wanderungen machen kann und man bis zur Talstation mit dem Bus runter muss. Ich fand das zu Beginn ziemlich doof. Angeblich ändert sich das aber mit dem Bau einer Gondel in 2018/2019. Wir nahmen die Kleinste dann in die Kraxe und fuhren „wuaahhhh“ damit dann die ein oder andere Abfahrt mit ihr um mal rauszukommen.
Aber auch da haben wir uns erstmal den eigenen Ängsten gestellt, es dann einfach ausprobiert und ganz nüchtern entschieden, dass es in dem Schneckentempo wirklich kein großes Problem war ein paar Abfahrten als Familie zusammen zu machen.

Diejenigen die nicht dabei waren und nur die Fotos gesehen haben, fanden das zum Teil UNMÖGLICH! Wir stehen drüber 🙂

Das Personal im Hotel rund um den Essensraum war sehr kinderlieb. Unsere beiden tourten den ganzen Abend von Tisch zu Tisch und es gab nicht ein einziges Mal ein Gemecker, dass sie im Weg waren. Das Preis-Leistungsverhältnis war im Verhältnis zu anderen Hotels direkt an der Piste in Ordnung. Lag eventuell daran, dass es keinen Pool gab, den wir auch nicht vermissten – dafür wurde einfach mal eine Stunde geschlafen.

AllgemeinErlebnisse & Begegnungen

Die stille Revolution

2018-08-27-stillerevolution

Für meinen Auftraggeber Bergedorfer Impuls gGmbH habe ich einen Kick Off Event für die Seminarreihe „Impuls seminar“ organisiert. Thematisch ging es dabei unter anderem um: Führung von Menschen und Unternehmen, die das Thema „Menschlich führen“ für sich beanspruchten.

Zu dieser Zeit war Bodo Jansen mit seinem Buch „Die stille Revolution“ in den Spiegel Beststeller Listen gelandet. Ich rief in seinem Unternehmen an und konnte ihn tatsächlich dafür gewinnen, einen seiner Hoteldirektoren als Gastredner zu entsenden.

Ich war sehr beeindruckt darüber, wie ein – wie er sich nennt – oberflächlich Getriebener sein eigenes Leben und seine unternehmerische Einstellung auf links drehte. Und für mich war es wieder einmal der beste Beweis dafür, dass man immer als erstes bei sich beginnen muss, um anderen Menschen etwas mitgeben zu können. Im unternehmerischen Sinn seinen Mitarbeitern. Im elterlichen Sinn seinen Kindern.

Bodo Jansen und die Stille Revolution gilt mittlerweile als Leuchtturmprojekt für „Menschliches Führen“ in der Tourismusbranche. Über den Weg hat er auch einen Film gemacht. 

Das Projekt und der Film erinnert mich stark an unsere Potenzialspass Expedition auf die Fuchsberber Hütte. Diese haben wir mit verhaltensauffälligen Kindern einer Mittelschule in München 2015 unternommen. Unsere damalige Expedition war nicht so gigantisch, aber für die Kids sicherlich die gleiche Erfahrung.

Kinder darin zu begleiten etwas zu tun, woran sie zu Beginn nicht glauben, stärkt ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstwahrnehmung.

Auf jeden Fall habe ich viele O-Töne im Film wiedergefunden, die ähnlich auch von unseren Kindern kamen. 

"Deshalb ist meine Meinung: schickt die Kinder auf eine Reise! Wir, die Rocketships lieben die Berge. Die Herausforderung dabei unten am Fuße des Berges stehend zu glauben man schafft das heute nicht. Und dann zu erkennen, dass oben angekommen, der Körper und Geist doch so viel mehr schaffen kann. Das Glück eines einfachen selbstgeschmierten Butterbrotes ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen!"
Stephanie Riecker
AllgemeinElternzeit

„Das passt nie rein!“

2018-08-25-daspasstnierein

Hallo Elternzeit. Was braucht man wirklich?

Endlich war der Tag X gekommen. Start der Elternzeit. Es ging los von Hamburg an die Côte dAzur. Im letzten Augenblick konnten wir die Wohnung (ja, wir hatten eine Genehmigung von der Stadt und vom Vermieter) über Airbnb an einen Arzt von den Bahamas vermieten. Das hob das Reisebudget erheblich und verschaffte noch jede Menge Arbeit vor der Abreise. Die Wohnung musste schließlich lupenrein übergeben werden.

Da wir das Wohnmobil (leider) nicht in Hamburg gemietet hatten, sondern wegen eines super Angebots eines Privatvermieters über ebay (70 Euro/ Tag inkl. Km) in Stuttgart, fuhr das Gepäck schon Tage vorher mit Papa dorthin. Bis unters Dach war es voll und wir standen ziemlich ratlos vor dem Wohnmobil, als es den Anschein nahm, dass wir das alles niemals unterbringen würden.
Am Ende ging es irgendwie, aber an Station 1 ging eine volle Koffertasche mit Opa wieder zurück nach Hause.

Tipp1:Kleidung in Reisverschlusstaschen von Ikea packen.
Tipp 2:Die Hälfte von dem mitnehmen, was man denkt mitnehmen zu müssen.

 

"Deshalb geben wir Euch hier gleich zwei hilfreiche Tipps: 1. Kleidung in Reisverschlusstaschen von Ikea packen und 2. Nur die Hälfte von dem mitnehmen, was man denkt, mitnehmen zu müssen!"
Stephanie Riecker

"Aber ich will nicht bei den Schweinen schlafen!"

Mit einem chaotisch gepackten Wohnmobil ging es los zum ersten Ziel. 200km hatten wir uns noch vorgenommen, um am Bodensee den Zelglihof in der Schweiz anzusteuern. Nachdem Zoë schon am Morgen gesagt hatte, dass sie das mit dem Wohnmobil doof findet und lieber ins Hotel mit Schwimmbad will, war sie noch weniger davon begeistert, als wir ihr voller Vorfreude eröffneten, dass wir auf einem Bauernhof übernachten wollen. Da kam dann nur leicht genervt:

„Oh manno, ich will aber nicht bei den Schweinen schlafen.“

 

Vom Stressmodus auf maximale Entspannung.

Mit letzter Kraft aller Beteiligten kamen wir bei den Schweinen an. Parkten und fielen um in den ersten Schlaf in unserem zuhause auf Zeit. Und auch Zoë fand es plötzlich nicht so schlecht in ihrer Höhle im Fahrerdach.

Am nächsten Morgen lachte uns die Sonne und der Bodensee entgegen. Der Bauer vom Zelglihof hatte in perfekter Lage ein ziemlich unperfektes Idyll geschaffen. Zimmer gibt es dort genauso, wie Stellplätze mit Blick. Die Einfachheit führte dazu, dass wir aus dem Stressmodus sofort auf maximale Erholung schalten konnten.

Abschalten ist gar nicht einfach.

Trotzdem juckte es mich in den Fingern alles besser und schöner zu machen – für den 70sten Geburtstag, der dort gefeiert werden sollte. Überall sah ich Potenzial für Verbesserung. Aber was war besser und schöner und auf was kam es denn überhaupt an? Wie ich da so saß und die eintrudelnden Menschen beobachtete fiel mir auf, dass die Kinder minutenlang herzlich umarmt wurden, dass der Grillmeister mit seinem T-shirt Spruch „Hetz mich nicht“ eine Ruhe ausstrahlte, die sich auf alle übertrug. Die Fragen des Lebens, unseres Lebens sprudelten in meinem Kopf nur so über.

Es war ein schöner Start in unsere Zeit, die wir intensiv mit unseren Kindern verbringen wollten. Einfach treiben lassen. Auf eine Strecke, die nur ganz grob in unserem Kopf war. In Europa, ganz bewusst.

Unser Reisetipp für Station 1

Strecke: Stuttgart – Ermatingen / ca. 200km Übernachtung: Zelglihof am Bodensee – Schweiz, www.zelglihof.com Kosten ÜN: ca. 30 Euro/ Nacht Man kann in Zimmern, im Heu oder auf der Wiese übernachten

AllgemeinElternzeit

Das Leben schickt Entschleunigung

2018-08-25-daslebenschicktentschleunigung

Ich würde sagen, dass wir schon im Paradies angekommen waren.
Allerdings hatten wir bis dahin noch eine Lektion der Entschleunigung zu lernen. Der Himmel entleerte sich über uns, als Robin unbedingt in einem Mulchebeet parken wollte, weil wir dort „gerader stehen“!

Randbemerkung: Die Frau wollte, dass Mann das lieber nicht macht. Aber was interessiert Mann schon was Frau sagt? J

Und so kam es wie es kommen musste – Mann klatschnass, Frau genervt, Mann genervt, weil Frau genervt, Kind 1 fand es ca. 10min total aufregend, Kind 2 war es wurscht – und so steckten wir fest. Mit unserem Wohnmobil und mit unseren Gefühlen. Etliche Stunden später, endlich war was los in Aeugst am Albis – waren einige Nachbarn, plus der Dorfbauer damit beschäftigt, das Wohnmobil der Deutschen wieder aus dem Beet zu ziehen. Das Wohnmobil war dann raus, aber die Gefühle boardeten noch über. „Nimm es halt mal mit Humor!“; „Egal was ich sage, es interessiert dich einfach nicht.“, „Aber ich habe es doch nicht mit Absicht gemacht!“, „Na, davon gehe ich mal aus, dass du mit der Aktion nicht vor den Kindern und unseren Freunden flüchten wolltest…!“ 

Es hatte „RUMMS“ gemacht. Und das, obwohl wir uns doch so gefreut hatten auf diese Tour. Viel Zeit mit viel Abenteuer.

Jetzt wo wir hier sitzen, am Fusse der Eiger Nordwand, kommt es mir so vor, als hätte uns das Leben genau diese Situation geschickt. Eigentlich wollten wir nach Lausanne fahren, schon am dritten Tag. Und dann sind wir einfach abgebogen in den Grindelwald, weil uns die Viertausender so magisch angezogen haben.

Und da war die zweite Frage:
„Führt Entschleunigung zu maximaler Entspannung? Und was ist überhaupt maximale Entspannung? War das unser Ziel in der Elternzeit?“

Wir verbummelten den ersten Nachmittag mit Pizza am Spielplatz, beobachteten die Inder, Araber und Chinesen beim Bus ein- und aussteigen, und entschieden einfach, wir bleiben hier heute Nacht.

So saßen wir da vor unserem Wohnmobil und die Abendsonne tauchte den Gletscher in orange Töne. Es war unfassbar schön, unfassbar entspannt und wir hatten uns bis auf die Ausbrüche einer dreijährigen auch wieder lieb.

Am nächsten Morgen entschieden wir; wir bleiben einfach noch. Wir taumelten durch den Tag. Jeder machte so sein Ding. Und zwischendurch besichtigten wir auch noch die Gletscherschlucht. (Tipp: Gletscherschluchten mit 3-jährigen macht keinen Sinn!)

Um unseren sportlichen Aktivitäten nachkommen zu können, mussten wir uns immer aufteilen. Die 190 Tacken für eine Bahnfahrt auf das Jungfrauenjoch war uns einfach zu viel.

Und am Ende auch zu kompliziert, wegen den Kindern und der Höhe und überhaupt.  Deshalb wählten wir die kleinere Variante und fuhren mit 100 Indern auf die Kleine Scheidegg. Was im übrigen völlig ausreichend war. Dort hat man einen tollen Blick auf die 4 Tausender, Zoë war glücklich, weil Schnee angefasst und Bahn gefahren und Papa konnte hoch radeln. Naja, fast. Es war dann doch zu hoch und zu weit.

Alles in allem ist Grindelwald definitiv eine Reise wert.

Reisetipp 2 für Strecke 2:

Strecke 2: Ermatingen – Aeugst am Albis (94km) – Grindelwald (123km) Übernachtung: in Aeugst/ privat; in Grindelwald/ Camping Grindeldorf (ca.35 Euro) Strecke 3: Grindelwald – Thun (49km) Übernachtung: Thun (am Parkplatz des Kunstmuseum)