Stephanie Riecker

AllgemeinErlebnisse & Begegnungen

Mutti on Tour#1 …bike, hike, relax…

IMG_6229

Meine Freundin hatte mit ihren 3 Kindern eine Mutter Kind Kur bei der Krankenkasse beantragt. Diese wurde sofort genehmigt. Hoffentlich sind da nicht nur Verrückte und totale Problemfälle, sagte sie mir im Vorfeld. Aber einfach mal rauskommen. Was Gutes für sich und ihre Kinder tun. Kraft tanken. Das war das Ziel.

Gute Idee dachte ich. Nur nicht mit den Kids, sondern einfach mal allein.

Beschlossen, geplant und losgefahren. Nach Südtirol, an einem Freitagnachmittag. Mit dem Zug und einer Freundin. Von Hamburg nach München in sechs Stunden.

Wir stiegen mit einem Klos im Hals in den Zug. Die Kinder alleine mit den Papas lassen. Fünf Tage! Soooo lange! Wir fühlten uns egoistisch und schlecht. Darauf köpften wir erstmal eine Flasche Prosecco, holten die Entspannungszeitschriften raus und versuchten gut drauf zu kommen.

Während ich so aus dem Fenster schaute, war meine Freundin die halbe Zugfahrt beschäftigt ihrem Mann Instruktionen für das Wochenende zu geben. Was er alles machen könnte: Reiterhof, Theater, Schwimmen gehen und ich weiß nicht was. Dagegen war ich ja schon fast musterhaft unterwegs. Ich hatte nur alle Koffer gepackt, Brote geschmiert und „die Meinen“ auf die Reise zu seinen Eltern geschickt.

Warum tun wir uns Muttis so schwer einfach mal loszulassen?
Kein schlechtes Gewissen haben, die Lieben allein zu lassen, um nur mal ein paar Tage in Ruhe zu frühstücken, sich in den Tag treiben zu lassen, Abendessen zu gehen und Dinge zu machen, ohne ständig im Aufpass- und Umsorgmodus angeschaltet zu sein. Das müssen wir üben. 

Nur für sich selbst sorgen!

Am nächsten Tag in Brixen: die Sonne schien, wir liehen uns E-Mountainbikes und fuhren auf die erste Alm. In der Sonne sitzend, mit Blick auf die Dolomiten, machten uns einfache Schlutzkrapfen glücklich. Die Bergkulisse, das tolle Essen, die netten Menschen um uns herum. Wir genossen den Tag in vollen Zügen und dachten doch darüber nach, wie toll der Wanderweg und der Spielplatz für unsere Kinder wäre. Hallooo, abschalten!

Mit der letzten Gondelfahrt fuhren wir wieder runter vom Berg. Der Tag neigte sich dem Ende und eigentlich wollten wir noch einen Sundowner trinken. Zwei nette Mädels in der Gondel, die ganz erstaunt waren, dass wir aus Hamburg kommen und ganz allein hier waren, empfohlen uns ein neues Hotel direkt um die Ecke. Gesagt, getan dahin und wir waren völlig aus dem Häuschen, als wir auf ein rießengroßes Stelzenhotel zufuhren. Mitten im Wald. Wir bestellten uns zwei Drinks auf der Terrasse und schauten in die Bäume.

Und gerade noch im Hier und Jetzt, flammte es wieder auf. Uns geht es so gut. Und unsere armen Männer? Was machen die wohl gerade? Gerade mal einen halben Tag ausgeblendet, hätten wir sie so gerne bei uns gehabt, um diesen schönen Moment zu teilen. Und unsere Kids? Sind sie glücklich? Der letzten Gedanke vor dem Einschlafen galt unseren Lieben und der Erste beim Aufwachen ebenfalls. Bilder, Videos und Nachrichten wurden wild hin und her geschickt. Es fiel uns schwer, nur bei uns zu sein. 

Am nächsten Morgen nochmal rauf auf`s Bike. E-bike Tour die zweite. Für meine Freundin war das ein echter Stretch. Ihr Mann hatte sich noch kaputt gelacht, als ich ihr den Vorschlag gemacht hatte, mit mir biken zu gehen. Vielleicht gerade deshalb strampelte sie was das Zeug hielt 2.000 Höhenmeter und 50km ab. Die Akkus waren sowas von leer in jeglicher Hinsicht, als wir abends die Dinger wieder abgaben. Aber was ein grandioser Tag!

Ich war so begeistert, dass sich mein schlechtes Gewissen auf jeden Fall legte. Bei meiner Freundin gor es noch weiter. Es war vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt zu fahren. Alles war gerade so stressig. Aber gibt es den richtigen Zeitpunkt für so eine Reise eigentlich? Man kann ja schon fast happy sein, wenn in der Firma nicht gerade ein mega wichtiges Meeting einberaumt wird, das Kind nicht krank ist (oder gar der Mann – ganz plötzlich) und man eine Freundin findet, mit der die Interessens- und Finanzlage weitestgehend die Gleiche ist.

Als wir am Abend aus dem Hotel auscheckten, checkte eine andere Familie ein. Ein pupertierendes Mädchen hängte sichtlich genervt am Tresen und raunte dem Vater zu…“Papaaaaa…Weeeelaaaan“… ich musste schmunzeln. Dem Vater blieb das nicht unbemerkt und bewaffnet mit dem Code sagte er … „endlich bin ich hier auch mal wichtig“. Ob unsere Mädchen mit 13 auch keinen Bock mehr haben, mit uns in den Urlaub zu fahren? Sollten wir nicht dann so eine Auszeit nehmen? Und nicht jetzt, wo sie noch so klein sind und so gerne mit uns unterwegs sind? Wieder ploppten solche seltsamen Fragen auf. Aber der Geist entspannte sich zunehmend, nahm dies zur Kenntnis und lies die Gedanken weiterziehen.

Zum Sundowner fuhren wir in unser zweites Hotel und schauten diesmal von ganz oben auf das Tal und die Berge. So weit oben, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und man nichts mehr ausser die Kuhglocken hört, wurden unsere Körper immer langsamer. Man trank ganz entspannt einen Tee, putzte sich tatsächlich einmal 3 Minuten lang die Zähne und lag einfach im Bett.

Wir gingen wandern, wurden vom Schnee überrascht und kehrten pitschnass wieder heim. Einfach in die Sauna, Buch lesen, ausruhen, wieder quatschen über dies und das, machten einen Nachmittagsschlaf und gingen Abendessen. Vielleicht war es diese völlige Stille dort oben am Berg. Oder einfach die Zeit, die ins Land zog, dass wir uns beruhigten. 

Wir gingen mit dem Flow.

Es war herrlich. Wir waren ganz bei uns und trotzdem immer bei unseren Familien. Was haben wir für ein Glück!

Wir machten Pläne. Einmal wegfahren mit unseren Kindern alleine. Oder auch mit unseren Ehemännern alleine. Wir tauschten Termine, Kinderübernachtungen und Daten aus und die Vorfreude unsere Ideen mit unseren Lieben zu teilen stieg.  Am Ende nahm meine Freundin einen Flug eher zurück und ich überredete meinen Mann eher zu mir zu kommen. 🙂 

Eine Reise zu machen und in Bewegung bleiben, sich selbst und seine Rolle hinterfragen, Ideen schmieden, Gedanken austauschen. Das Mindset einmal durchrütteln. Das ist das Leben. So bleibt man in Kontakt mit sich und damit mit den anderen. In diesem Sinne - Keep on Moving.
Stephanie Riecker
Mutti on Tour
AllgemeinErlebnisse & Begegnungen

Vom bedingungslosen Grundeinkommen…

IMG_5983

...zum Bildungssystem

Richard David Precht einmal live sehen. Unbedingt! Im Rahmen des Literaturfestivals in Hamburg und wegen einem Mann, der aufgrund einer Schnupfnase nicht mit seiner Ehefrau mitgehen konnte…jaja…kam ich in den Genuss einer Karte. Die Laeiszhalle war ausverkauft und ich war erstaunt was für ein breitgefächertes Publikum sich da an einem sonnigen Sonntag zusammenfand.

Sein Thema: Sein Buch. Jäger, Hirten, Kritiker – Eine Utopie für die digitale Gesellschaft.
Mein Thema: Die Frage, wie Arbeit in Zukunft definiert sein wird und was das mit dem Grundeinkommen auf sich hat, bis hin zum Bildungssystem, welches sanierungsbedürftig ist. Komplexe Fragen.  

Precht ist der festen Überzeugung, kurz zusammengefasst, dass das bedingungslose Grundeinkommenkommen wird. Seine These: 1.500 Euro für jeden Bürger. Vom Hartz 4 Empfänger bis zum Millionär. Verdiene ich on top mit 20 Stunden etwas dazu, bleibt das bei mir. Uff, da hätte ich als Teilzeitmutti endlich eine solide Basis? Ich habe schon hin und wieder davon gehört, aber richtig beschäftigt habe ich mich damit noch nicht. Warum eigentlich nicht?

Basis sichern, anstatt Arbeit bis zum Umfallen?

Gerade ich als Mutter stelle mir diese Frage verstärkt. Ich werde nur im ersten Lebensjahr meines Kindes entlohnt. Es ist schon ein besonderes Privileg auf der einen Seite, aber warum hört die Entlohnung eigentlich danach auf? In Bayern gibt es die Herdprämie – Schwachsinn meiner Meinung nach. Darum geht es doch gar nicht. Ich will nicht an den Herd getackert werden.

Ich arbeite gerne. Sehr gerne. Ich bin aktiv. Ich bin produktiv. Mal mehr, mal weniger. Aber den ganzen Tag!
Ich bin nicht unbedingt als Mutter mit Küchenmaschine und Bügeleisen geboren. Ich hasse Spielplätze (va. wegen der anderen Helikoptereltern!), Kasperltheater spielen kann ich gar nicht leiden und beim Bücher vorlesen schlafe ich regelmässig ein. Es gibt auch einen Grund, warum dieser Blog sicherlich nicht voll sein wird mit Basteltipps!

Naja, aber ich liebe meine Kids und ich verbringe auch gerne meine Zeit mit ihnen, nur ich habe auch noch mehr im Kopf! Trotzdem bin ich zeitlich gebunden. Das schränkt mich ein! Ich habe auch einfach keine Lust einen Job zu machen, um den ich meine Kinder basteln muss. Bin ich deshalb weniger wert mit meinem Kopf?

Precht sagt, das bedingungslose Grundeinkommen soll die Situation von Erwerbslosigkeit aufwerten. Sie soll den Zeitvertragsangestellten, denjenigen in schlechtbezahlten Jobs, oder in Teilzeitmomenten eine Unterstützung sein. Diese Situationen werden in Zukunft sowieso selbstverständlich für viele sein! Aha.

Wie ist Arbeit überhaupt definiert?

In unserer momentanen Gesellschaft ist Arbeit meist definiert als Lohnarbeit. Das stelle ich auch dann fest, wenn nach dem ersten Hallo die Frage kommt „und mit was verdienst du so dein Geld?“

Für mich war Arbeit eigentlich immer definiert als Aufgabe, die mir in erster Linie Spaß machen sollte. Sobald das nicht mehr der Fall war, habe ich es verändert. Strategisch bin ich an die Nummer nie rangegangen. Aus heutiger Sicht vielleicht ein Fehler?
Aber mir war in meinem Leben noch nie langweilig. Bis heute nicht.
Weil ich begeisterungsfähig und neugierig bin.
Weil ich in der Lage bin Perspektiven zu wechseln. Andere Wege zu gehen.

Doch ich stelle fest, dass ich das was ich da kann, nicht in der Schule oder an der Uni gelernt habe. Sondern vielmehr im Leben und in meinen Coaching Ausbildungen.

Und damit komme ich zum Bildungssystem. Precht machte auch einen Ausflug dahin. Er sagte, das bedingungslose Grundeinkommen allein wird nicht reichen, um den Strukturwandel (den die Digitalisierung mit sich bringen wird) wuppen zu können.

Wir brauchen eine andere Bildung für die Menschen. Warum?

Wenn plötzlich sehr sehr viele Menschen zu Hause rumhängen und nichts mehr zu tun haben, dann kann das ziemlich schnell ziemlich ungemütlich werden.

Warum? Langweilig war mir nie, aber einsam kann man werden und nicht wertgeschätzt von der Gesellschaft und manchmal auch nicht von der Familie (was glücklicherweise bei mir nie der Fall war!), wenn man mit zwei kleinen Kindern andauernd zu Hause hängt. Wie man den Anschluss an die Aussenwelt meint zu verlieren. Ich habe es ja für mich noch in der Hand, aber was kommt da auf meine Kinder zu?

Was müssen wir heute den Kindern beibringen?

Hier einige seiner Ideen, die ich allerdings auch so sehe.
Selbstbefähigung– Dinge selbst anpacken zu können.
Kreativität– Langeweile ist so wichtig als Quelle für Kreativität, um Lösungen in unterschiedlichen Ebenen suchen zu können.
Die Kinder müssen hungrig aus der Schule kommen, um Lösungen für merkwürdige Probleme erarbeiten zu können.
Die Lust auf Lebenslanges Lernen– wie oft stosse ich immer noch auf Menschen, die es verwunderlich finden, dass ich so viel Geld und Zeit in meine Weiterbildung stecke.

Fähigkeit mit anderen Menschen umzugehen – Empathiefähigkeit wird eines der wenigen Dinge werden, was uns von Robotern unterscheiden wird!!! Hallooo!!!

Realistische Selbsteinschätzung, Umgang mit Herausforderungen, Beharrlich an einer Sache dran bleiben, Bedürfnisse aufschieben lernen…und so weiter.
Diese Eigenschaften muss man trainieren. Aufmerksamkeit muss man trainieren. Wie oft stosse auch ich an diese Themen.

Precht schafft es aus der Geschichte von anno dazumal seine Thesen aufzubauen, seine Utopie an aktuellen Beispielen zu verfestigen und es in einer ansprechend einfachen und charmanten Sprache wie geschliffen auf der Bühne rüber zu bringen.

Ein kluger Kopf, mit extremer Sprachgewandtheit, einer Coolness auf der Bühne – beeindruckend! Ich weiß…..manche mögen ihn nicht, weil er zu einfach und zu platt und zu plakativ ist. Mir wurscht!

Mein Mann fand es kacke, dass ich ihn so angehimmelt habe J! Jaja…er war trotzdem verdammt gut und es waren 2 tolle Stunden in der Laeiszhalle, die ich zum Anlass genommen habe, um mit meinem Kunden neue strategische Projekte zu entwickeln. Danke Herr Precht!

Herr Precht über Bildung: https://www.youtube.com/watch?v=on-O5v3UcBk Götz Werner über das Grundeinkommen: Wir müssen Armut endlich abschaffen https://www.tagesspiegel.de/politik/dm-gruender-goetz-werner-wir-muessen-armut-endlich-abschaffen/21150374.html http://www.unternimm-die-zukunft.de/de/
Stephanie Riecker
pro BGE

Und ich hoffe, dass ich dazu komme meine Elternumfrage am Spielplatz hinsichtlich bedingungsloses Grundeinkommen zu schreiben. Es hat mich erstaunt. Nur soviel dazu!

AllgemeinNorddeutschlandReisen mit Kids

Raus aus dem Hamsterrad

IMG_5206

Eigentlich war es ein ganz anderer Grund, warum sich vier Familien samt Großmutter auf die Reise nach Heiligenhafen machten. Aber rückblickend muss ich sagen, war es mal wieder eine Mischung aus Herzensbildung und Entschleunigung für Kids und Eltern.

Die Vorschule hatte angefangen. Und das für die meisten der Kinder, die wir dabeihatten. Aber auch dem Schulkind aus Bayern tat diese Reise sehr sehr gut.

Heiligenhafen ist in den letzten zwei Jahren zu einem Top Spot an der Ostsee geworden. Eigentlich sollte man solche Geheimtipps für sich behalten. Aber weil wir mal die guten Dinge mit Euch teilen wollen, erzählen wir darüber.

Warum hat dieser Spot etwas mit Bildung zu tun?

Da waren die Landungsbrücken. Warum die so hießen, konnten wir nur vermuten, denn ein Schiff landetet dort nicht an. Ich bin eigentlich keine Stegläuferin, aber die Kinder rannten und rannten und dadurch fanden wir ganz am Ende einen tollen Wasserspielplatz. Dort kann man Meerwasser mittels eines riessigen Hamsterrades vom Grund des Bodens nach oben saugen und weiterverarbeiten. Die Kinder fanden es großartig und so landeten wir an – in Heiligenhafen.

Als ich da so gefühlt zwei Stunden lag und die Kinder in diesem Hamsterrad sah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es war mal wieder Zeit geworden.

Schon früh stecken wir mittlerweile unsere Kinder in solche Räder. Wir wollen und müssen natürlich zum Teil schnell wieder arbeiten gehen. Deshalb kommen die Kids in die Kitas und sind dann da – wenn es gut läuft von 9:00 – 15:00 Uhr und wenn es schlecht läuft von 8:00 – 17:00 Uhr – und das ab dem ersten Lebensjahr. Zumindest in Hamburg.

Wie gut es den Kindern tut, aus dieser täglichen Routine – aus diesem Hamsterrad – mal auszubrechen, das unterschätzt man. Unsere Zoë kam dieses Jahr in die Vorschule. Einen Tag, den ich zwar auf dem Zettel hatte, aber in seiner Tragweite für sie, gar nicht wahrgenommen hatte. Es war ihr so wichtig gewesen, als wäre es der erste Schultag gewesen. Sie war von einem auf den anderen Tag so groß geworden und ich hätte den Sprung fast verpasst. 

Das Rad drehte sich so vor mir und ich fragte mich, ob dieses Bild des Hamsterrades nur mir auffiel. Für mich war es auf jeden Fall Entschleunigung pur, diesem Treiben zuzusehen.

Warum Gruppenreisen, wie Gruppentherapie ist?

Für andere vielleicht zu verrückt, aber wir nächtigten in der Bretterbude mit 9 Erwachsenen und 8 Kindern in 3 Bullis und diversen Hotelzimmern. Für uns war es perfekt.
Wir waren 4 ganz unterschiedliche Familien mit 4 ganz unterschiedlichen Herausforderungen und einer Oma.

Es war die Familie mit 3 Kids, die immerzu Action brauchten. Diese bekamen sie hier auch immerzu. Und trotzdem konnte sich jeder einzelne auch seinen Vorlieben widmen und sich nach Interessenslage einklinken. Familien mit 3 Kindern fällt es sowieso schwer jedem gerecht zu werden, es fehlt einfach immer eine Hand. Die Gruppe fing immer wieder eines auf, während es mal die Ruhe und Zeit gab, sich um die anderen beiden zu kümmern.

Warum manchmal die richtigen 3,95€ Invest Bildung bringen!

Dann die Familie Patchwork mit Schulkind. Die Angel für 3,95€ brachte den Durchbruch. Wir konnten tatsächlich mit 4 Kindern am Hafen sitzen und Kaffee trinken, während die beiden Großen Krebse und Garnelenbabys fischten. Es war toll anzusehen, dass sich die komplette Situation zwischen allen Beteiligten total entspannte. Es war natürlich nicht ganz einfach. Patchwork Papa mit vorpupertierendem Schulkind, da krachte es schon mal!

Ein Krebs wurde gefangen. Dieses Erlebnis wurde sogar am Abend noch bildlich festgehalten und unser Schulkind war die Heldin des Tages. Ein Gefühl, welches sie auch nicht so oft hatte. Es ist wirklich nicht zu glauben, aber sie wird aufgrund ihrer Hautfarbe sehr oft in der Schule gemobbt. Ja, leider. Aber dieser Tag war ihr Tag. Ihre vordergründig schlechte Stimmung wandelte sich Stunde für Stunde um.

Am nächsten Tag war der Krebs allerdings tot, da er über Nacht im Eimer gefangen gehalten wurde. Unsere aller Unachtsamkeit führte dazu und wir liefen Gefahr, dass die Stimmung wieder kippte. Das Gegenteil war der Fall. Es war zwar schlimm, vorallem für den Krebs. Allerdings war es die perfekte Situation, um zu reflektieren was passieren kann, wenn man unachtsam und gedankenlos miteinander umgeht.

Naja und wir Rocketships eben, mit unseren beiden Wirbelwinden. Die kleine Leni träumte die ganze Nacht von „meiner…meiner“, weil sie ihr Puki immer wieder in andere Kinderhände geben musste. Und Zoë, die in ihrer Sicherheit und Coolness wieder alle überraschte. Aber auch für die beiden, war unteranderem der letzte Tag, als ich spontan entschied, einfach noch eine Nacht länger zu bleiben, die Ruhe nur mit Mama Entschleunigung pur.

Dem Hamsterrad entsteigen. Dinge einfach mal anders machen. Wochenende mit Freunden, die sich nicht kennen, um damit die Chance zu haben, Rollen neu zu definieren. Das war die Erkenntnis des Wochenendes!

Ein paar Rocketship Tipps:
Fahrt mit mehreren auf Campingplätze, Bretterbudenstellplätze oder Hotels.

Mehr sieht mehr:
Mehr Erwachsenenaugen sehen mehr. So findet sich auch der dreijährige, der mit dem Aufzug rauf und runter fährt auch leichter. Oder die 1,5jährigen, die grundsätzlich zum Spielzeugladen am Platz liefen. Entspannte Eltern bringen entspannte Kinder!

Wirkungskreis:
Wichtig ist den Wirkungskreis so klein wie möglich zu halten, damit sich die Kinder sicher fühlen. Den Wirkungskreis kann man Tag für Tag erweitern, aber die Kinder müssen sich die Wege merken können. Das hilft allen Beteiligten. Sicherheit bringt Entwicklungschancen.

Aus Schlimmen seinen Nutzen ziehen:
Der Krebs war tot. Alle waren traurig darüber. Aber wir konnten es nutzen, um über Unachtsamkeit und deren Folgen zu diskutieren. Dieses Erlebnis und dieses Bild werden die Kinder vermutlich länger damit verbinden, als irgendein Conny Buch oder Filmchen auf dem ipad. Erfahrungsorientiertes Lernen auf ganz hohem Niveau!

Allgemein

Vom Grundeinkommen zum Bildungssystem

onion-276590_1920

RMP. Das wissenschaftliche Tool zur Persönlichkeitsentwicklung

Nachdem ich schon seit 2009 mit jugendlichen Persönlichkeiten arbeite, hatte ich mir jetzt die Zeit genommen, mich als RMP Master zertifizieren zu lassen.

Ich startete an einem Montag in Hamburg mit einer reinen Frauenpower Gruppe. Mein Kopf war voll, mein Körper müde, meine ersten Gedanken im Stuhlkreis waren: „Oh Gott, wie soll ich denn die nächsten 8 Stunden überstehen und irgendetwas in meinen Kopf bekommen. Dann noch all diese Frauen – ob das was wird?“
Gefühlt setzte ich erstmal meine Sonnenbrille wieder auf die Nase und lauschte den ersten Worten von Markus Brand, unserem Ausbilder vom Institut für Persönlichkeit.

Meine Frage, warum ich das gleich nochmal machen wollte, wurde mir relativ schnell mit dem Zwiebelbild beantwortet und ich war wieder wach. Ich wollte an den Kern des Menschen und die Frage: Warum ticke ich wirklich so?

Auf der Erkenntnis, dass die 16 Lebensmotive den absoluten Kern unserer Persönlichkeit darstellt und diese sich auch im Laufe unseres Lebens nicht wirklich verändern, kaute ich die nächsten Tage etwas herum.
Die Frage, die ich mir da als Mutter stellte: „Kann ich denn im Kern meiner Kinder gar nichts mehr beeinflussen?“ Die Antwort ist: Nicht wirklich. Aber ich kann sie unterstützen, ihr Verhalten dementsprechend zu stärken und zu fördern. Oder sie mit bestimmten Werten sozialisieren. Ob sich mein Kind allerdings eher als Einzelgänger wohlfühlen wird, oder in Menschenmengen, das werde ich nicht verändern können. Bäng!

Hat meine Tochter einen hohen Bedarf an Anerkennung?

Die Ausbildung ging morgens immer früh los. Das hieß, ich musste die Kinder zeitig in den Kindergarten bringen. Stress für alle Beteiligten. Alle mussten an einem Strang ziehen und meine Tochter wollte mal wieder erst das passende Oberteil zu ihrem Rock finden und es dauuuuuerte. Ob sie wohl eine hohe Ausprägung im Motiv Anerkennung hatte? Vielleicht. Ich dachte darüber nach und entspannte mich – denn natürlich war das mit meinem hohen Ordnungsmotiv (hohe Motivation z.B. pünktlich zu sein) nicht sehr gut kompatibel.
Ich atmete tief durch, es war wohl einfach so. Nicht eine Phase, sondern ein Lebensmotiv.

Wir lernten in den Tagen viel über implizite und explizite Ziele, über die einzelnen Lebensmotive und ihrer Biopolarität, den Fragen, die sich Steven Reiss zu den Bedürfnissen, Zielen und Motiven von Menschen stellte und sie in ein wissenschaftliches Modell packte und so vieles mehr. Meine anfängliche Müdigkeit war wie weggeflogen und in mein Gehirn ging noch jede Menge rein. Ja genau. Meine intrinsische Motivation Neugier ist sehr hoch.

Es war sehr viel inhaltlicher und emotionaler Stoff, den Markus immer wieder bildlich untermauerte. Auch mit seinem eigenen Profil. Was mich erstmal erstaunte. Er war sehr ehrlich im Umgang mit seinen Persönlichkeitsmotiven. Diese waren ziemlich anders als meine und er war mir anfangs nicht gerade sympathisch dadurch, manches Lebensmotiv ging für mich ÜBERHAUPT nicht. 🙂 Ich empfand das wirklich erstmal so. Das spannende war allerdings – und das erlebte ich nicht nur mit diesem Motiv und dieser Konstellation – ich wurde im Gefühl sanfter, toleranter und sensibler für andere Menschen.

Alle 16 Motive wurden in den Tagen besprochen und analysiert. Jedes war individuell. Und keines war besser oder schlechter. Es war wie es war und hinter jedem Bild war das Bild hinter dem Bild.

Power, Idealismus und Familie sind meine stärksten Treiber. Kein Wunder also, dass mein Lebensmotto KEEP ON MOVING ist, dass ich in der Bildung gelandet bin und einen Verein gegründet habe und mein Wunsch meine Kinder weitestgehend selbst zu erziehen und nicht den ganzen Tag in Fremdbetreuung abzugeben, sich ab und an in meiner Zerrissenheit wiederspiegelt.

Erfolg, Karriere oder Familie – immer wieder stehen wir in unserem Leben vor der Entscheidung. An diesen Scheidepunkten ist es gut zu wissen, was einen wirklich motiviert und antreibt. Der Persönlichkeitstest RMP kann helfen, Entscheidungen gemäß der grundlegenden Bedürfnisse zu treffen, Beziehungen danach zu leben und sich selbst wie auch andere Menschen besser zu verstehen.

Reiss Motivation Profile

Was soll ich sagen? Ich bin jetzt als Reiss Profil Master zertifiziert, es hat irre Spaß gemacht. Mir liegt die Arbeit mit Menschen. Auch das kam wieder ganz klar zum Vorschein und somit kann ich jetzt Einzelpersonen, Führungskräften und Teams im Coaching und Training auch dieses Modell anbieten.

Fragen? Anmerkungen? Wünsche oder Anfragen? Meldet Euch gerne bei mir!

Mehr unter: Projekte und Weiterbildung

AllgemeinErlebnisse & Begegnungen

Zeit für Veränderung

IMG_6476 2

Beruf und Berufung im Einklang...

… am Beispiel des Benediktiner Ordens

„Viele Menschen suchen nach beruflicher Neuorientierung. Die Neuorientierung ist das Einschlagen einer Richtung, die sich im Laufe des Berufslebens mehrfach entwickeln, aber auch gänzlich verändern kann. Berufliche Neuorientierung ist damit zur Normalität unseres Lebens geworden. In einem Umfeld der Unberechenbarkeit wird es immer wichtiger, seinen eigenen Weg zu finden, die Aufgabe zu erkennen, die innere Befriedigung schafft und dem Leben einen ganz persönlichen Sinn gibt.

Um mich auf den Weg machen zu können in die Benediktiner Abtei in Münsterschwarzach, musste ich erst mal meine Kinder in den Kindergarten bringen. Ausnahmsweise mal zum Frühstück, was bei uns mit zwei Langschläfer Kindern meistens eine Herausforderung ist. Als ich also so durch das Kindergartentor joggte, kam mir schon eine Mutter entgegen, die mir ungefragt entgegen warf „Gerade haben sie die Tür zu gemacht“. Man durfte dann eigentlich kein Kind mehr abgeben. Arghhh. Trotzdem schob die kids durch die Tür.

Mit Herzschmerz machte ich mich auf zum Bahnhof. Auf eine Reise, die ich mir selbst ausgesucht hatte und auf die ich mich auch freute. Trotzdem fiel es mir wieder schwer die Kinder abzugeben, um mich aus Hamburg wegzubewegen. 

Gegen Ende der Zugfahrt baute sich seltsame Spannung auf. Was erwartete mich wohl? 

Machte ich diese Reise, weil ich doch Antworten auf Fragen suchte? Weil ich gespannt war, auf die Persönlichkeit Pater Anselm Grün, den ich einmal live erleben wollte? Weil ich ja weiß, dass es wichtig für mich ist, meinen Geist zu füttern und in Bewegung zu halten? Ich ahnte, dass dieses Seminar nicht nur meinen Kopf füttern sollte, sondern auch mein Herz.

Angekommen. Parkplatz Gästehaus Münsterschwarzach. Komischerweise wurde ich auf einen Schlag ehrfürchtig. Warum denn jetzt das? 

Für den Moment konnte ich noch gar nicht genau sagen was und vorallem warum. Aber irgendwas passierte mit mir. Die Kirchenglocken erinnerten mich an das Zuhause meiner Kindheit. Wir wohnten damals genau unterhalb eines Klosters. War es das? Fragte ich mich, wohin ich seitdem gekommen war und und vorallem womit. Eine erste Zäsur.

Ich checkte ein. Mein Zimmer hatte ich mir genauso vorgestellt. Schlicht, einfach, nur das Nötigste. Reduktion auf das Wesentliche. Nur am schwenkbaren Waschbecken über der Kloschüssel blieb ich hängen.

Andere Menschen kamen mit mir an. Ganze Gruppen. Ich war allein. Ich verglich mich mit ihnen. Warum eigentlich? Ich stellte fest, dass ich Farbe reinbrachte. Persönlichkeit. Komisch. Ich kannte die anderen nicht, aber ich nahm mich so wahr. Warum fragte ich mich all diese Fragen?

Die Kirchenglocken läuten. Wir waren eingeladen das Seminar mit dem Gottesdienst zu beginnen. Logisch. Kloster. Katholisch.
Etwa 50 Männer in schwarzen Kutten kamen geschlossen in Reih und Glied in die Kirche. Diese Inszenierung strahlte Macht aus. In wurde skeptisch. So eine Ansammlung von keuschen Männern fand ich schon immer komisch. Ich verfolgte das, was passierte. Die Männer gaben in einem Sprechgesang etwas wieder, was ich nicht verstand. Die Menschen in den Reihen, standen auf und setzten sich wieder hin und standen auf und setzten sich wieder. Ich machte das mit. Es wirkte sehr seltsam und ich fühlte mich wie eine Idiotin. Den Mut das Auf und Nieder zu unterbrechen, brachte ich aber auch nicht auf.

Woher kommst du? Warum bist du hier?

Als die Messe um war, gingen alle zum Abendessen. Ich setze mich zu fünf fremden Menschen an den Tisch. Woher ich komme, werde ich gefragt und warum ich hier bin. Schnell stelle ich fest, dass ich jedem eine Rolle gebe. Die Teeeinschenkerin, die die Kirche geschwänzt hatte. Der Gekündigte, der sich jetzt als selbstständiger Coach versuchte. Die 50-jährige, die sich das Seminar, zum Geburtstag geschenkt hatte, weil sie sich in der Buchung vom Elefantencamp in Chiang Mai vertan hatte. Ich frage mich, welche Rolle ich bekomme – wahrscheinlich die mit der vergessenen Jeansjacke oder die, mit der leuchtenden Sonnenbrille.

Die Gruppe war mit 32 Teilnehmern sehr groß. Nach dem Essen ging es los im Seminarraum. Und da traf ich das erste Mal auf ihn – Pater Anselm Grün. Freundlich, nett wirkte er auf mich. Gar nicht ehrfürchtig, sondern ganz nahbar. Er eröffnete das Seminar mit einem Psalm aus der Bibel und übertrug ihn auf das Thema des Seminars und der heutigen Zeit. Denn die drei zentralen Fragen der nächsten Tage lauteten:

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Nach einer ersten typischen Aufwärmübung mit: Wer wohnt wo… wer ist wo geboren und welchen Beruf hat wer, ging es für die Lebenslaufarbeit in die erste Partnerübung. Nix neues für mich. Ich erwischte einen Posaunisten. Er erzählte mir viel über das Orchester, wie das funktioniert, was dieses alles macht und ich bekam ein Gefühl, warum er da war. Gleichzeitig stellte ich mir die Frage, wie der wohl auf mein Feuerwerk von „was ich alles gemacht habe“ wohl reagieren wird. Booste ich den gleich vom Stuhl. Ich habe fünf Minuten.
Weil ich viel zu erzählen habe, schmettere ich ihm alles entgegen. Danach holt er tief Luft, schüttelt sich einmal und gibt mir folgendes wieder:  Ich bin die Mutter von zwei Kindern. Aber ( 🙂 ich habe Power. Bin scheinbar flexibel. Wäre es nicht die Selbstständigkeit gewesen, die man mir auf dem Silbertablett serviert hatte, dann wäre es irgendetwas anderes gewesen, was ich angepackt hätte. (Da war es wieder KEEP ON MOVING, mein Lebensmotto). Ich wirke auf ihn, als wolle ich was bewegen. Was ich aber so konkret mache, kann er mir nicht mehr wiedergeben. Damit ging ich erst mal schlafen.

Das Bild hinter dem Bild

Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich in den drei Tagen zur Ruhe kommen würde. Aber das stellte sich so gar nicht ein. Eine solch große Gruppe, mit so vielen unterschiedlichen Personen, die man entweder gar nicht kennenlernte, oder gleich mit voller Wucht, führten jetzt nicht unbedingt zur Ruhe. 

Da war zum Beispiel Sandy. Sie hatte 21 Jahre lang versucht Opernsängerin zu werden. Sie erzählte unter Tränen, wie ihr Kampf zwischen Dranbleiben und Veränderung sie fast aufgerieben hätte. Zum einen das feedback ihrer Mentoren und Lehrer, die ihr das Gesangstalent bestätigten und sie zum Dranbleiben motivierten. Der Wunsch etwas Großes erreichen zu wollen und dafür hart zu arbeiten und es trotzdem nicht zu erreichen. Immer wenn sie vorsingen musste, um ein Engagement zu bekommen und damit auch die finanzielle Bestätigung, versagten ihre Nerven. Sang sie ungezwungen, kam ihr Talent durch sie hindurch zum Tragen und bewirkte etwas Magisches. Das war die Geschichte, aber das Bild hinter dem Bild zeigte ihren übermächtigen Vater und Großvater, der es ihr schwermachte. Wahrscheinlich wäre die Arbeit an ihrem Selbstwertgefühl und der freundlichen Verabschiedung der Übermacht, der Schüssel für ihre persönliche Veränderung gewesen.

IMG_1896

Aber auch Alex, der Motivationstrainer beeindruckte mich sehr. Ihn hatte ich erstmal schön in die Schublade, Red Bull Trinker, Chips essender Flegel, der von seinen Eltern gezwungen wurde in das Seminar zu gehen, gesteckt. Es stellte sich heraus, dass er mit der schlimmsten Form von Neurodermitis geboren wurde. Nach Jahren der Qual und Quälerei stand er am Rande eines Berggipfels, in dem festen Willen sich umzubringen. Da fragte er zum letzten Mal Gott um Hilfe – „wenn er wirklich da sei, solle er ihm gefälligst ein Zeichen geben“. Plötzlich verspürte er, so seine Erzählung, eine Schubkraft quer durch sein Herzen. In diesem Moment, begann er sein Leben in voller Konsequenz zu leben. Er verabschiedete sich von der Opferrolle. Stand jeden Morgen um sechs Uhr auf und ging joggen. Schweiß und Blut liefen über seine offenen Hautstellen. Er stellte sich das Bild vor, was er machen würde, wenn er wieder gesund wäre. Jeden Tag. Er las die Bibel, ging in ein Sterbezentrum, machte eine Ausbildung und nach einem Jahr bescheinigten die Fachärzte ihm ein medizinisches Wunder. Es war beeindruckend, wie er über das Durchhaltevermögen und seine Veränderung sprach. 

Ach ja, da war noch Pater Anselm Grün. Gleich zu Beginn ergriff ich die Chance zu einem Einzelgespräch für 15min. Warum ich hier wäre und was ich gerne mit ihm besprechen würde, fragte er mich?
Ich erzählte ihm von dem Event, welches ich organisiert hatte und meiner Einladung eines Referenten der Upstalsboom Gruppe (Bodo Jansen hatte 2018 ein Buch und einen Film mit ihm gemacht über menschliches Führen). Sein Gesicht erhellte sich, seine müden Augen blitzten auf. Das fand er schonmal gut. Kurz umriss ich ihm, wie meine berufliche Reise bis dato war und ich mich fragen würde, ob ich jetzt nach zwei Herzenskindern wieder genau da weitermachen sollte. Woran ich merken würde, dass genau dies meine Berufung war und nicht etwas anderes. Woran er das denn für sich festmachte. 

Grundsätzlich kann ich zur Begegnung mit ihm sagen. Er wirkte auf mich müde. Müde der Menschen. Nicht weil er sie nicht wertschätzen wollte, sondern weil er einfach sehr viele gesehen hatte. Alle, die irgendwie von ihm die Lösung ihrer Probleme wissen wollten.

Deshalb kann ich jetzt nicht sagen, dass er mich als Persönlichkeit umgehauen hat. Ob man das in der kurzen Zeit überhaupt erwarten konnte, weiß ich auch ehrlich gesagt nicht. Was ich aber sagen kann, dass zwischendurch ein emotionales Flackern in seinen Augen zu sehen war, dass es beeindruckend war, jemanden zu erleben, der mit Sprache und Wissen dermaßen jonglieren kann. Man musste wirklich sehr aufmerksam zuhören, damit man ihm überhaupt folgen konnte. Der Kopf wurde trainiert.

Der Inhalt der Tage verschwamm und ich machte die typischen Übungen zu Stärken, Schwächen, Feedbackrunden gar nicht mehr mit. Für meinen Geschmack war das zu überladen und für alle diejenigen, die wirkliche eine essenzielle Frage mitgebracht hatten eine komplette Überforderung.
Der Inhalt ist ein Impuls. Hatte man wirklich Fragen, dann war dieses Format mit dieser Gruppengröße nicht das Richtige. Es war ein Herzensevent – mehr nicht.
Der Abschluss der 2 Tage bildete eine interne kleine Messe, bei welcher er auch unsere Handys, Ringe, Ketten und Autoschlüssel segnete. Ich weiß, es soll ein Symbol sein, ein an etwas denken. Ein Verankern von positiven Gedanken, aber sehr katholisch eben. Und für mich befremdlich. 

Als er fertig war, verabschiedete er sich von jedem persönlich und mit dem Satz: 

„Ich kann leider nicht mehr bleiben, denn ich muss mit der Sparkasse essen gehen!“

Das fand ich ziemlich lustig!! :-))

Hilfreiche Informationen:

Wo kann man diese Seminare buchen?

https://www.abtei-muensterschwarzach.de

Dieser Kurs gibt Impulse, die eigene Berufung zu erkennen, unabhängig zu werden von der Beurteilung durch andere und die Überzeugung zu gewinnen, etwas Wertvolles in sich zu tragen und schaffen zu können.“

Welche Leute sind da so?
Es waren 50:50 Männer und Frauen jeden Alters da. Der jüngste so 32, die älteste so 63 würde ich schätzen.

Muss man da sehr christlich sein?
Nein. Aber natürlich hilft es, wenn man eine tolerante, offene Grundhaltung mitbringt.

Hat es mir etwas gebracht? Würde ich es wieder machen?
Nein. Ich würde es nicht noch einmal machen. Aber ja, bringen tut so etwas immer irgendwas. Es bringt immer sich auf den Weg zu machen und sich zu reflektieren. Man bekommt nicht die eine Antwort auf einmal, aber viele kleine Antworten helfen auch auf einem Weg.

Was kostete mich das?
Eine Zugfahrt und ein Busticket. Der Kurs inkl. Übernachtung 450,– Euro

AllgemeinErlebnisse & Begegnungen

Ein „aufgeschobener“ Cappuccino

coffee-2799161_1920

Mein Tag bzw. meine Nacht startete so semi-optimal. Meine große Tochter kam in unser Bett mit den Worten „mir ist sooo schlecht…“ und übergab sich im Anschluss. Damit war mein Freitag gelaufen. Ich behielt beide Kinder zu Hause. Leni war putzmunter und was auch immer dazu führte, dass es Zoë schlecht ging, war wie wegeflogen und so stellten sie mir um 9:00 Uhr bereits die Bude auf den Kopf.

Kurzerhand eingepackt und los Richtung Markt.

Dort verschlechterte sich die Stimmung allerdings wieder und beide Kinder quengelten was das Zeug hielt. Schlecht bis gar nicht geschlafen hatte ich aber zumindest noch einen Kaffee verdient. Ich steuerte einen Tisch an und wollte mir an der Theke gerade eine Tasse holen, plärrte Leni los und war überhaupt nicht damit einverstanden. Sie wollte mit! 
Keine Kraft in den Armen, ganz zu schweigen von meinem Rücken, war ich mental schon fast dabei abzubrechen, als ein älterer Herr mit Frau am Nachbartisch sagte:

"Warten Sie, ich hole ihren Kaffee!"

Mein erster Impuls war, das Angebot gar nicht anzunehmen. Ich war so perplex, dass ich ihn fragte: „WIRKLICH?“ Alle Gäste drehten sich um und beobachteten die Szene.

In meinem Kopf sprudelten die Argumente über….ich sehnte mich nach diesem Kaffee…ich war müde…ich brauchte Kraft für den Rest des Tages…mein Rücken tat weh… und ob ich mit Leni im Arm die Tasse heile wieder zurück an den Tisch gebracht hätte, war fraglich.
Also gab ich ihm 2,50€, was wahrscheinlich viel zu wenig war und er holte mir tatsächlich den Cappuccino. Ich freute mich dermaßen darüber, dass das auch Zoë nicht verborgen blieb. 

Wir unterhielten uns darüber, wie einfach es doch eigentlich ist, Menschen eine Freude zu machen oder einfach kurz zu helfen. Aus seiner eigenen Komfortzone mal kurz auszusteigen und etwas für jemand anderen zu machen. Und ganz ehrlich, wie selten passiert mir das? Und wie oft mache ich es selbst, obwohl man eigentlich mindestens 1x am Tag eine Gelegenheit dazu hätte.

Als wir wieder zu Hause vor der riesigen Eingangstreppe vor dem Haus standen, über die ich jeden Tag mehrmals den Kinderwagen hoch und wieder runter wuchten musste, kam ein Mann hinzu, was wirklich auch so gut wie nie passierte, und fragte, ob er mir helfen soll. Und Zoë sagte: „Schau Mama, jetzt hat dir schon wieder jemand geholfen. Jetzt kannst du dich wieder freuen!“

Und das ist für mich HERZENSBILDUNG. Kinder beobachten so genau und sie lernen am allermeisten dadurch. Es ist Bildung, die nichts kostet und so viel wert ist!

In diesem Zusammenhang wollen wir auf eine Initiative hinweisen, die sich #suspendedcoffeesgermany nennt. Dort kann man in ausgewählten Läden einen aufgeschobenen Kaffee für jemanden bezahlen, der es sich nicht leisten kann....probiert es mal aus!​
Stephanie Riecker
Stephanie Riecker
Texte mit Herz
Herzensbildung Twitter

Schreibt uns solche Geschichten, die wir erzählen können!